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Gurkenscheibchen und Unterrichtsausfall

Schweinewetter heue Morgen. Aber mein Hund wollte unbedingt Spazieren gehen. Also habe ich mich gut eingepackt und wir haben im Regen einen langen Spaziergang in völliger Ruhe gemacht. Weit und breit war noch kein Mensch zu sehen, herrlich. Selbst die Assis am Bahnhof schliefen noch irgendwo ihren Rausch aus.

Danach haben wir gefrühstückt. Zwei Scheiben Toast mit Wurst für meinen Hund, und für mich Orangensaft, zwei Toasts mit Schinken, ein Toast mit Salami, frische Gurkenscheibchen als Beilage und Geschmacksneutralisator und zwei weich gekochte Eier. Wenn man dann noch die Zeitung dabei liest, der Hund einem zufrieden aus seinem Körbchen anguckt und das Radio im Hintergrund angenehm leise seine Musik abspielt, ist das für mich ein perfekter Start in den Sonntag.

Umso amüsierter war ich, als ich von unserer nordrhein-westfälischen Schulministerin Barbara Sommer gelesen habe, die sich über den fast eingedämmten Unterrichtsausfall freut. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Unterrichtsausfall um 45 Prozent verringert worden. Viele Bürger werden sich freuen: Endlich machen die Lehrer nicht mehr so viel blau und faulenzen herum, wo sie doch schon Nachmittags frei haben. Und die Ferien erst.

Die Realität sieht leider anders aus. Die Schulleitungen werden schlicht und einfach so vehement von den Schulämtern unter Druck gesetzt, dass offiziell zwar kein Unterricht ausfällt, die Qualität des Unterrichts aber für weitaus mehr als die eigentlich vom Ausfall betroffenen Klassen unter aller Sau ist. In den letzten Jahren wurden die Lehrerstellen an fast allen Schulen auf das absolute Mimimmun reduziert, bzw. abgebaut. Das Schulamt müsste im Krankheitsfall einen kurzfristigen Ersatz bereitstellen, der für die erkrankte Lehrkraft einspringt. Bei einer Erkrankung, die länger als zwei Tage dauert, sollte also sofort nach der Krankmeldung eine Vertretungskraft aus dem Grundschulpool aushelfen. Soweit so gut. Die Realität sieht aber anders aus: Die Feuerwehrstellen aus dem Grundschulpool werden an den Schulen für längerfristige Vertretungsaufgaben eingesetzt. Eigentlich müsste diese langfristige Vertretung mit Lehrkräften geschehen, die aus einem anderen Geldtopf finanziert werden. Dieser Geldtopf ist natürlich schon lange leer. Die eigentliche Aufgabe, eine kurzfristige Vertretungsreserve zu haben, ist somit nicht mehr zu schaffen.

Wie sieht das jetzt in der Schulrealität aus? Die Klassenlehrerin der 4a ist zum Beispiel beim Joggen mit dem Fuß umgeknickt und hat sich denselbigen gebrochen (dieses Beispielt ist real und aktuell). Die Ausfallzeit beträgt um die 6 Wochen. Die Schulleitung hat natürlich sofort beim Schulamt um eine Vertretung gebeten, die Antwort ist bekannt. Also was tun? Ganz einfach, die Klasse wird aufgeteilt. Das vierte Schuljahr ist vierzügig, besteht also aus den Klassen 4a, 4b, 4c und 4d. Jeden morgen wird die Klasse 4a nun gedrittelt und auf die anderen Klassen aufgeteilt. Das in den anderen Klassen kein Platz vorhanden ist, dass die Klassenlehrer nun vor Klassen mit 35 Kindern stehen, dass Empfehlungsgutachten und Klassenarbeiten geschrieben und nachgesehen werden müssen, dass die Qualität des Unterrichtes unterirdisch ist, alles das wird von unserer Schulministerin nicht gesagt.

Diese Umstände führen dann auch zu solchen Szenen, dass sich am Freitag in der sechsten Stunde 60 Kinder in einer kleinen Sporthalle gegenseitig auf die Füße treten, wenn sie es geschafft haben, sich in der Umkleidekabine umzuziehen. Charles Darwin lässt grüßen. Es wird nicht einmal ein Gedanke daran verschwendet, dass man die 6. Stunde an einem Freitag für eine Klasse hätte ausfallen lassen können. Es darf kein Unterricht ausfallen, sonst meckern die Eltern.

Wichtig is auffem Platz. Die Renten sind sicher. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Der Unterrichtsausfall ist um 45 Prozent zurückgegangen.

Gruß,

der Chevalier.

19.11.06 11:26


....

Geweckt worden von den Selberbauern. 7:30 Uhr.
18.11.06 11:56


Bild

Ich habe gerade wieder einmal eine geniale Bild-Schlagzeile gesehen: „Mutter presst toten Sohn zu Diamanten.“ ... „Mein toter Sohn strahlt jetzt als Diamant.“

Eine brillante Story. Die Mutter ließ aus dem Kohlenstoff, der aus der Asche ihres Sohnes gefiltert wurde, einen Rohdiamanten pressen. Für die dunkle Erde war der Sohn zu schade, aber die Presse war gut genug. Wert: 3600 Euro. 1,21 Karat.

Diamonds are a girls best friend....


18.11.06 00:43


Speed me up!

Ich habe heute für meinen DSL-Zugang „fastpath“ beantragt. Eigentlich ein schlechter Witz, dass eine 6000er DSL-Leitung für das Spielen eines zehn Jahre alten Onlinerollenspiels nicht schnell genug ist. Aber ohne „fastpath“ hat man bei virtuellen Kämpfen wenig Chancen, weil die Reaktionszeiten der Gegenspieler kürzer sind.

Bei dem Spiel handelt es sich um Ultima Online, der Kenner wird es schon vermutet haben. Diese Spiel habe ich, damals natürlich noch offline, schon zu C64-Zeiten gespielt. Übrigens eines der drei Originalspiele, welche ich damals für meinen Computer gekauft hatte, der Rest waren ja Raubkopien.

Heutzutage, wo ich meine Spiele legal erwerbe, muss ich für Ultima außer den Onlinegebühren nichts mehr bezahlen: Das Spiel liegt in der Online-version legal im WWW zum download bereit. Die Server werden von freien shards bereitgestellt.

Ich werde demnächst in einem Extra nach und nach von Ultima berichten. Es hat tatsächlich Momente gegeben, in denen ich aus lauter Wut über meinen virtuellen Pixeltod Sachen in meinem Zimmer zerstört habe und einen Anfall a la Kinski hatte.

Um den Bogen zu den 64er-Zeiten zu spannen: Die selben Freunde von damals spielen auch heute noch mit mir zusammen. Heutzutage sind wir online und audiovisuell miteinander verbunden.

Gruß,

der Chevalier.
16.11.06 21:23


Sonntagmorgen und Dieselpartikel

Der Sonntagmorgen war ein typischer Herbstmorgen: Kalt, orkanartiger Wind und Nieselregen, der durch den Wind bisweilen zum Platzregen mutierte. Ich hatte mir schon am Samstag fest vorgenommen, mal wieder am Sonntag eine Trainingsrunde zu fahren, um meinen nach zwei sportlosen Wochen aufkeimenden Rückenschmerzen entgegenzuwirken.

Ein schlimmer Moment war der Augenblick, als ich die Bettdecke zurückwarf und mich im kalten Zimmer anzog. Ein noch schlimmerer Augenblick folgte, als ich den noch kälteren Flur betrat und mir schlagartig bewusst wurde, in welcher Brüllhitze ich geschlafen hatte. Bett + Zimmer + Flur = wahrscheinlich arktische Kälte außerhalb des Hauses.

Die schlimmsten Augenblicke waren dann auch tatsächlich die ersten Kilometer auf dem Fahrrad. Zum Glück wird einem bei der Strampelei sehr schnell warm und nachdem ich einige Kilometer aus der Stadt herausgefahren war, stellte sich ziemlich schnell dieser beim Radfahren typische Rhythmus aus gleichmäßiger Trittfrequenz und Atemtechnik ein. Leider hatte ich mit dem starken Gegenwind meine Probleme, denn obwohl ich mich ganz ordentlich ins Zeug legte, erschrak ich immer wieder beim Anblick des Tachos. Von der Anstrengung gefühlte 35 km/h schrumpften so auf lächerliche 21 km/h. Doch der Wind hatte auch noch eine andere negative Folge.

[Die wenigen Autos, die am Sonntagmorgen meinen Weg teilten, waren zu 90% Autos mit einem direkteinspritzenden Dieselmotor. Die neue Generation von Dieseln unterscheidet sich von den alten Wirbelkammerdieseln durch die extrem hohen Einspritzdrücke und einer damit verbundenen effektiveren Verbrennung des Kraftstoffes. Praktische Folgen sind eine erhöhte Leistung bei geringerem Verbrauch. Aber leider sind die Dieselteilchen, die irgendwann hinten aus dem Auspuff rauskommen, viel kleiner (lungengängiger) als die großen Rußpartikel der alten Motoren. Sicher habt ihr schon einmal diesen typischen Gestank wahrgenommen, der von einem modernen Diesel kommt. Wenn man diesen Geruch wahrgenommen und eingatmet hat, dann kann man sich sicher sein, dass gerade kleinste Rußpartikel in die hintersten Winkel der Lunge gelangt sind, wo eigentlich keine Rußpartikel hingehören.]

Auf jeden Fall hat dieser Gegenwind jene Dieselabgase direkt in die nach Luft japsenden Verästelungen meiner Lunge gedrückt. In diesem Moment müssen um die 300 Millionen Alveolen geschrieen haben: „Danke Chevalier, dass Du uns erst mit Sport köderst und uns dann diesen Dreck einatmen lässt! Warum sind wir nicht im warmen Bett geblieben, Du Arsch?“ Ich konnte nur nach fast jedem Auto erwidern: „Tut mir leid, Jungs, ich hab’s doch nur gut gemeint...“

Meine Lungenbläschen und ich haben dann einen Rückweg über die Felder eingelegt und uns sind keine Stinker mehr entgegengekommen, die unseren Trainingserfolg zu Nichte gemacht hätten. Dafür war ich, wieder zu Hause angekommen, bis auf die Unterhose nass und voller Schlamm. Die Wanne danach war die schönste Erholung seit langer Zeit, gefolgt vom einem einstündigem Sonntagsfrühstück. Die perfekte und absolute Entspannung.

Ich freue mich schon auf den nächsten Sonntagmorgen!

Schöne Grüße,

der Chevalier.

13.11.06 20:59


Es gibt IMMER was zu tun. Yuppieh ja ja yuppieh yuppieh yeah.

Ich schieße zurück. Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass ich das Leistungspotential meiner Stereoanlage auch nur ansatzweise abrufen würde. Aber seit ungefähr 10 Minuten laufen die Misfits in einer Endlosschleife auf 55% der möglichen Lautstärke. Ich habe die Balkontür vor dem Starten weit aufgerissen und bin nach unten gerannt, weil es mir im oberen Stockwerk zu laut war. Meine Nachbarn terrorisierten mich heute Nachmittag mit irgendeinem neuen Bohrhammer und zerstörten mir damit den Anfang meines wohlverdienten Wochenendes. Ich habe in den letzten Monaten sämtliche Bohr-, Hammer-, Schab- und Schlaggeräusche kennen gelernt. Aber das heutige Geräusch war mir neu. Es gab früher diese Werbung „MB-Spiele präsentiert“: Da hat so gesund aussehendes rothaariges Quotenkind im Intro einen riesigen Gong geschlagen. Das heutige Geräusch hörte sich an, als ob meine Nachbarn mit einer Mischung aus Flex und Bohrhammer eben diesen Gong ficken.

Ich freue mich, wenn morgens in der Zeitungsbeilage eine Frau in hochhackigen Schuhen auf einem Sofa posiert. Bei meinen Selberbauer-Nachbarn muss das anders sein: Die bekommen wahrscheinlich heiße Gedanken, wenn sie einen Baumarktprospekt erspähen und eine Waschtischarmatur einige Euro günstiger angeboten wird. So lange der Vorrat reicht, versteht sich. Also fix den Hänger an den Golf angekoppelt und rüber zum Baumarkt.

Ich habe Nichts gegen Heimwerker. Ich habe selber zu Studienzeiten als Handwerker gearbeitet. Ich habe auch Nichts gegen „Häuslebauer“. Aber dieses Nachbar-Ehepaar in den Enddreißigern renoviert nun seit ungefähr einem Jahr im Nachbarhaus herum, zu den unmöglichsten Zeiten. Renoviert ist das falsche Wort, es müsste „saniert“ heißen. Nein, es müsste „baut von innen und außen neu“ heißen.

Zuerst wurde der Dachstuhl komplett demontiert und ein ganz neues Gebilde errichtet, natürlich richtig gedämmt. Dann wurde das Fundament der Außentreppe mit Presslufthammer abgerissen, verschalt und neu gegossen. Schließlich wurden innen neue Wände eingezogen und alte Wände abgezogen. Dann wurde die komplette Fassade mit Dämmplatten isoliert, verputzt und angestrichen. Da nur ein Gerüst für jeweils eine Wandseite vorhanden ist, wurde fast wöchentlich eine Wand ein- und wieder abgerüstet. Im Sommer wurden wir von diesem Lärm jeden Morgen am Wochenende geweckt. Wenn ich dann verstört und viel zu früh völlig schlaftrunken meine Tageszeitung mit Beilage von draußen geholt habe, waren diese Selberbauer schon mitten in der Arbeit und dachten bei meinem Anblick wahrscheinlich, dass ich eine asoziale und faule Socke bin. Wo nehmen solche Leute ihre Energie her? Sind die in ihrem Job nicht ausgelastet? Ich bin schon stolz, wenn ich mal nach Monaten mein Auto wasche oder einmal in der Woche den Rasen mähe oder alle paar Wochen die Hecke schneide.

Ist es schon so weit gekommen, dass diese verstaubten Menschen mir ein schlechtes Gewissen einreden, weil ich zur heimwerkenden Unterschicht gehöre?

Ach ja, ich schieße mittlerweile nicht mehr zurück. Ich bin heimlich auf den hinteren Teil meines Grundstücks geschlichen, um meine Vergeltungswaffe auf Wirksamkeit zu testen. Ich konnte fast gar nichts hören, wahrscheinlich haben die Selberbauer meinen Protest nicht einmal bemerkt. Gegen den MB-Gong ist kein Kraut gewachsen. Morgen um spätestens 7:00 Uhr werde ich sowieso wieder geweckt werden, denn es ist Wochenende und die Leute haben frei. Es ist Bauwetter. Yippeh!

Blixa Bargeld liest Hornbach:

 


Gruß, der Chevalier.

11.11.06 18:26


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